Rennberichte
mehr als nur Radfahren
Kitzbüheler Radmarathon 2025
216 km | 4.600 hm | 6:45 h | Schnitt 31,56 km/h | NP 306 W (≈80 kg)
Lukas Holzer: Platz 34 | Marcus Holzer: Platz 49
Es gibt Sonntage, da trinkt man Kaffee, geht vielleicht in die Kirche, macht irgendwas Vernünftiges. Und dann gibt’s Sonntage, an denen man um 06:30 Uhr geschniegelt am Start steht und sich denkt: „Ja. Heute mache ich bewusst etwas, das mir später weh tut.“
Willkommen beim Kitzbüheler Radmarathon.
Start: kalt – aber „perfekt“
In der Früh war’s erwartungsgemäß frisch, aber für September insgesamt wirklich gute Bedingungen. Sonnig, sauberer Asphalt, alles bereit für einen sportlichen Ausflug. Spoiler: Am Ende waren’s eher 30 Grad, und der Ausflug wurde… sagen wir… eine Charakterstudie.
Pass Thurn: 15 km „Warmfahren“ mit Gruppentrennung
Der erste Prüfstein kommt früh: Pass Thurn, rund 15 km gleich zu Beginn. Kein brutaler Brecher, aber genau das macht ihn so „effektiv“: Er zieht das Feld auseinander wie ein Reißverschluss.
Schon hier bilden sich Gruppen, und du merkst: Das wird heute nicht „einfach nur rollen“, das wird arbeiten.
Richtung Gerlospass: lange Gerade, dann plötzlich steil und schnell
Nach dem Thurn kommt eine längere Passage, die richtig Tempo verträgt – bis der Gerlospass ruft. Und der hat’s in sich: steil, hohes Tempo, wieder Gruppensortierung.
Wir waren zu diesem Zeitpunkt in der ersten Verfolgergruppe – genau dort, wo man zwar nicht mehr ganz vorne ist, aber dafür konstant investieren darf. Ein Traum für alle, die gern „für’s Erlebnis“ zahlen.
Kerschbaumer Sattel / Kilometer 116: schnell unterwegs – und es wird ernst
Weiter geht’s Richtung Kerschbaumer Sattel (bei ca. km 116). Das Feld ist längst zerrissen, du fährst praktisch von Gruppe zu Gruppe, immer mit dem Gedanken: „Wenn ich hier reiße, wird’s hinten sehr, sehr lang.“
Und trotzdem: Die Zahlen waren beeindruckend. Nach dem Sattel lagen wir bei etwa 3:48 Stunden und einem fast 38er Schnitt.
Das fühlt sich kurz so an, als hätte man das Leben verstanden.
Dann kommt die Realität – in Form von weiteren Kilometern.
Kilometer 159 bis 210: „Rollt schon“ – bis es nicht mehr rollt
Über Pinegg, Brandenberg, Breitenbach in Richtung Aschau und später Oberndorf sammelst du Höhenmeter und Müdigkeit gleichzeitig.
Das ist der Teil, wo man im Kopf anfängt zu rechnen: „Okay, wenn ich jetzt noch ein bisschen… dann…“
Und dann erinnert dich dein Körper daran, dass du schon über 200 km in den Beinen hast.
Der Moment, wo Kitzbühel sagt: „Jetzt reden wir“ – das Horn
Bei Kilometer ~210 ist man eigentlich schon „fertig“. Und genau dann kommt das, was diesen Radmarathon berühmt-berüchtigt macht: das Kitzbüheler Horn.
Rampen bis 22%
im Schnitt knapp 13%
über 6 km
nach 210 km Vorbelastung
und inzwischen mit knapp 30 Grad
Hier kannst du unglaublich viel Zeit gewinnen – oder verlieren. In unserem Fall war es eher die Kategorie: Verlieren – aber mit Stil.
Das Horn ist kein Anstieg, das ist eine Verhandlung. Und irgendwann sagst du einfach: „Okay. Wir machen das jetzt. Ohne Diskussion.“
Ernährung: Wurstsemmeln? Haben wir gesehen… aus der Ferne.
Die Verpflegung war laut Bericht top ausgestattet: Wurst, Semmeln, alles was das Herz begehrt.
Nur leider hatte unsere Gruppe die gemeinsame Religion: „Wir halten nicht an.“
Heißt: 7 Stunden Riegel + richtig gute Gels.
Man kann sich vorstellen, wie sich danach nicht nur die Beine, sondern auch der Magen gefühlt hat.
Sagen wir: Der „Klo-Gang“ hatte danach seine eigene Etappe.
Fazit: Warum macht man sowas?
Gute Frage. Wirklich.
Nach 6:45 Stunden, 216 km, 4.600 hm, einem NP von 306 Watt bei knapp 80 kg kann man ziemlich sicher sagen: Das macht nicht „Spaß“ im klassischen Sinn.
Das ist eher… ein Ritual. Eine Art mechanische und mentale Zerlegung – mit anschließendem Wiederaufbau.
Und trotzdem: Oben angekommen ist da dieses Gefühl:
„Ich war kurz davor, mental gebrochen zu werden – und bin trotzdem hochgefahren.“
Das ist der Punkt, warum man wiederkommt.
Sonne, Stimmung, Freunde, Support – und irgendwo zwischen „Warum tue ich mir das an?“ und „Geil, geschafft!“ liegt genau der Reiz.
Kirche wäre wahrscheinlich entspannter gewesen.
Aber halt auch deutlich weniger legendär.
Tannheimer Radmarathon 2025
214 km | 3.500 hm | Start 06:00 Uhr | Moritz Höflinger: Platz 11 | Lukas Holzer: Platz 17 | Ø > 36 km/h | Zielzeit < 6:00 h
Es gibt Rennen, da fährst du los und denkst: „Heute wird’s sportlich.“
Und dann gibt’s den Tannheimer Radmarathon – da fährst du los und weißt: „Heute wird’s ehrlich.“
Strecke: schön zum Anschauen, brutal zum Fahren
Start und Ziel direkt im Zentrum von Tannheim, dann einmal durchs Allgäu, hoch zur höchsten Passstraße Deutschlands und später durch den Bregenzerwald – bevor am Ende nochmal der Gaichtpass als „kleiner Reminder“ wartet, dass du eigentlich längst müde sein solltest.
Kurz gesagt: 214 km, 3.500 hm – landschaftlich Postkarte, sportlich Steuerprüfung.
Der offizielle Streckenbericht liest sich wie ein Reiseprospekt: Oberjoch, Wertach, Rettenberg, Immenstadt… dann rauf zum Riedbergpass (1.407 m), weiter Richtung Hochtannbergpass (1.676 m), später durchs Lechtal und am Ende über den Gaichtpass zurück nach Tannheim.
In der Praxis klingt das eher wie: „Okay. Noch ein Pass. Und noch einer. Und… warum ist da noch einer?“
Dieses Jahr: Sonne statt Schneeregen – und plötzlich macht’s (fast) Spaß
2024 war Tannheim eher „Survival-Training“: Schneeregen, Kälte, Nässe – sieben Stunden Moralprüfung.
2025 dagegen: sonnig, für die Uhrzeit zwar frisch, aber insgesamt deutlich angenehmer. Und ja: Es hat wirklich mehr Spaß gemacht. Zumindest so lange, bis das Tempo ernst wurde.
Start: 06:00 Uhr – bergab, hohes Tempo, Herzfrequenz direkt wach
Los ging’s um 06:00 Uhr, erst mal leicht bergab – und wie immer: Sobald es rollt, wird’s schnell.
Das Feld war riesig, das Tempo hoch und die Devise klar: Positionierung.
Erster Anstieg: “Wie viel kannst du aushalten?”
Am ersten ernsthaften Anstieg wurde sofort sortiert. Nicht gemütlich, nicht „einrollen“, sondern:
Position halten, Druck machen, dranbleiben.
Wir waren in diesem Abschnitt noch im absoluten Top-Bereich – Top 10 war drin.
Vorne lösen sich 4–5 Fahrer ab, dahinter formiert sich die erste Verfolgergruppe – und genau dort waren wir.
Und das war nicht irgendeine Gruppe, sondern eine von der Sorte:
„Wir arbeiten gemeinsam – sonst wird das heute sehr lang.“
Mittlerer Teil: Tempo, Zusammenarbeit, und dann… Gruppenfusion
In der Verfolgergruppe lief’s richtig gut. Gute Ablösungen, saubere Linie, jeder wusste: Wenn wir das konsequent durchziehen, bleibt der Anschluss nach vorne zumindest im Bereich „theoretisch möglich“.
Am vorletzten großen Pass wurde dann wieder hart aussortiert. Das Rennen hat sich nochmals gespalten – und wir wurden anschließend von einer größeren Gruppe von hinten geschluckt, die auf den flacheren Passagen und Geraden richtig Tempo gemacht hat.
Klassiker: Bergauf wird selektiert, danach kommt eine große Einheit und fährt die Lücke zu. Und plötzlich sitzt du wieder mit ~20 Leuten in einem „neuen Rennen“.
Letzter Anstieg: „Wie viel bist du bereit zu zahlen?“
Der finale Anstieg war dann genau das:
Nicht mehr „taktisch“, sondern nur noch: Wer ist bereit, den Preis zu zahlen?
Moritz hat hier den perfekten Moment erwischt, sich aus der großen Gruppe zu lösen. Mit 2–3 Fahrern vorne weg, sauber durchgezogen – und dann konsequent ins Ziel gebracht.
Ergebnis:
Moritz Höflinger: Platz 11 – bei fast 3.000 Teilnehmern. Das ist nicht nur stark, das ist Elite-verdächtig.
Ich, Lukas Holzer, konnte mich am Ende in einem größeren Sprint-Finish noch auf Platz 17 schieben – und das Ganze unter 6 Stunden ins Ziel bringen.
Mit einem Schnitt von über 36 km/h auf 214 km ist das dann auch weniger „Ausfahrt“ und mehr „Rennfahrt mit Nebenwirkungen“.
Verpflegung: wieder alles geskippt – weil… Ehrgeiz
Die Verpflegung am Kurs war wie immer gut.
Nur leider hatten wir wieder dieselbe Teamstrategie wie bei anderen Rennen:
„Wir halten nicht an.“
Heißt: statt Buffet gab’s Riegel und Gels, in sehr solider Dosis.
Das funktioniert – aber du merkst spätestens danach, dass dein Magen irgendwann gern mitentscheiden würde.
Fazit: 2025 hat gezeigt, dass da noch mehr drin ist
Im Vergleich zu 2024 war es dieses Jahr Welten besser. Wetter, Gefühl, Flow – alles.
Und genau deshalb ist auch klar:
Wir kommen wieder.
Vielleicht dann auch mit dem Ziel: Top 10.
Und vielleicht – ganz vielleicht – mit einem kurzen Stopp an der Verpflegungsstation.
(Okay, das war gelogen. Wahrscheinlich nicht)
Allgäu Tour 2025
3 Etappen | 242 Starter/innen (D/A/CH) | Rettenberg – Ottacker – Sonthofen
Teamwertung: Platz 1 | Gesamtwertung: Moritz Platz 3 · Marcus Platz 7 · Lukas Platz 11 | Nachwuchswertung: Moritz Platz 1
Wenn man eine Rundfahrt fahren will, die gleichzeitig schön, hart und ehrlich ist, dann ist die Allgäu Tour eine ziemlich gute Idee.
Wenn man das als erstes gemeinsames Team-Event der Saison macht, dann ist es… sagen wir: ein Statement.
Bei der 4. Auflage der Allgäu Tour 2025 standen 242 Rennfahrer/innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz am Start – mit dem Ziel, die begehrten Trikots zu holen: Gelb fürs Gesamtklassement, gepunktet fürs Bergfahren, weiß fürs Nachwuchs-Klassement. Und wir mittendrin: Laktat-Gang-Modus aktiviert.
Organisation & Strecke: schwerer, abwechslungsreicher, besser
Drei Etappen, drei Mal Allgäu pur: Rettenberg, Ottacker, Sonthofen – und jedes Mal irgendwo ein Berg, der dir erklärt, warum du nicht einfach ein Kriterium in der Ebene fährst.
2025 wurde die Tour sogar aufgewertet: Statt dem bekannten Kriterium im RuDi Park gab’s ein richtiges Bergrennen (u. a. über Hofen/Margarethen) und ein neues Bergrennen von Rettenberg nach Hinterberg. Genau das, was eine Rundfahrt spannend macht: nicht immer gleich, sondern jedes Jahr neu „unangenehm“.
Dazu: starke Streckenposten, Feuerwehr-Unterstützung, kaum Zwischenfälle. Etappe 1 und 3 ohne Stürze, in Etappe 2 nur zwei kleinere. Für Radrennen: fast schon Wellness.
Etappe 1 (Freitag) – Bergrennen: “Willkommen 2025”
Unser erster gemeinsamer Aufschlag in 2025 – und direkt ein Bergrennen.
Erwartungen waren eher vorsichtig: erstes Team-Event, drei Tage am Stück, der Körper noch nicht komplett „rennhart“. Ergebnis: perfekte Mischung aus Einstieg und Charaktertest.
Die erste Etappe wurde sehr hart angegangen und hinten raus nicht wirklich freundlicher. Genau die Art Rennen, wo du nach 20 Minuten weißt: „Heute wird nicht diskutiert – heute wird gezahlt.“
Platzierungen:
• Moritz Höflinger: Platz 5
• (zweites Top-Ergebnis: Platz 9)
Ein richtig starker Auftakt und ein klares Signal: Wir sind nicht zum Mitrollen da.
Etappe 2 (Samstag) – Rundstreckenrennen: Windschatten als Lebensphilosophie
Samstag: Rundstrecke mit einem leichten Anstieg, aber gewohnt hartem Tempo. Das Feld spaltet sich wieder, Gruppen entstehen, und plötzlich ist wieder dieses Gefühl da: „Okay, jetzt ist es wirklich ein Rennen.“
Moritz fährt vorne clever: effizient, Windschatten genutzt, keine unnötigen Matches verbrannt – Racing mit Hirn. Marcus und Lukas arbeiten in der Verfolgergruppe, bis es entweder zusammenläuft oder die Beine irgendwann die Sitzung beenden.
Platzierungen:
• Moritz: Platz 3
• Marcus: Platz 10
• Lukas: Platz 13
Damit war klar: Moritz ist voll im Kampf ums Gesamtklassement.
Etappe 3 (Sonntag) – Bergkriterium: „Man liebt es“
Sonntag: Bergkriterium.
Ein Berg, eine kurze Gerade bergab, wieder bergauf. Viele Runden, hohes Tempo von Anfang an.
Der perfekte Ort, um herauszufinden, wer noch Beine hat – und wer nur noch Prinzipien.
Vorne setzen sich zwei ab – ausgerechnet die zwei, die schon in den bergigen Abschnitten die Benchmark gesetzt haben. Dahinter wird gearbeitet, aber die Lücke bleibt. Und jetzt kommt Teamarbeit: Marcus und Lukas sichern ab, unterstützen, halten das Rennen stabil – damit vorne das Ergebnis möglich bleibt.
Platzierungen:
• Moritz: Platz 2
• Marcus: Platz 8
• Lukas: Platz 10
Starkes Finale – und genau der Tag, der in Rundfahrten das Klassement „formt“.
Das Ergebnis: Ein Saisonstart, wie man ihn sich wünscht
Am Ende war die Allgäu Tour für uns nicht nur „gut“, sondern richtig erfolgreich:
Gesamtwertung:
• Moritz Höflinger Platz 3
• Marcus Holzer Platz 7
• Lukas Holzer Platz 11
Nachwuchswertung:
• Moritz Höflinger Platz 1
Teamwertung:
• Platz 1 – der erste Sieg für den TSV Rotthalmünster / Ski-Rad-Laufabteilung
Support war top, Fans waren da, Organisation stark – und sportlich war’s die perfekte Mischung aus Leiden und Euphorie, für die man solche Wochenenden macht.
2026?
Da schauen wir mal, ob wir den Sweep schaffen.
Oder zumindest mal an einer Verpflegung stehen bleiben. (Spoiler: eher nicht.)